|
ZR2: Zündquellen durch Selbstzersetzung
Gefahren:
Stark exotherme Reaktionen, z.B. Zersetzung von Peroxiden
etc., können als Zündquelle wirken.
Auch thermische Prozesse bei einer langsam ablaufenden Reaktion von Stoffen
können innerhalb einer explosionsfähigen Atmosphäre zu einer Zündquelle
werden.
|
|
Schutzmaßnahmen:
Innerhalb von explosionsgefährdeten Bereichen ist die
Lagerung von Peroxiden generell unzulässig.
Das Sammeln stoffbeaufschlagter Putzlappen innerhalb von explosionsgefährdeten
Bereichen ist zu vermeiden. Falls unvermeidbar, muß er Sammelbehälter als
Spezialbehälter, beispielsweise mit einer Wasserfüllung, ausgeführt sein
oder mindestens nach jedem Schichtende entleert werden.
|
Bestimmte Einsatzstoffe bei der Lackverarbeitung können sich
durch chemische Um- und Zersetzungen unter Wärmeentwicklung so erhitzen, daß
sie dadurch zu einer wirksamen Zündquelle werden.
Unter der betrachteten Systematik der Schutzmaßnahmen für explosionsfähige
Dampf-/Luftgemische wird dabei zugrunde gelegt, daß die beschriebenen chemische
Reaktionen, die an sich bereits zu erheblichen Schadensereignissen führen
können, als Sekundärereignis die Zündung einer explosionsfähigen Atmosphäre
auslösen. Der Explosionsschutz im Sinne dieser Beispielsammlung betrachtet also
ausschließlich die Vermeidung solcher Sekundärereignisse.
Derartige chemische Reaktionen können durch Stoffe ausgelöst werden, die selbst
als explosionsgefährlich einzustufen sind, wie beispielsweise
Nitrocelluloselösungen in Nitrolacken oder Peroxide in einigen chemisch
vernetzenden Lacksystemen . Als Schutzmaßnahme zur Vermeidung möglicher
Primärereignisse von explosionsgefährlichen
Stoffen eignet sich die beschriebene, auf
explosionsfähige Stoffe zugeschnittene Schutzsystematik des Explosionsschutzes nicht. So
lassen sich beispielsweise Explosionsereignisse durch explosionsgefährliche
Stoffe nicht durch Reduzierung des Sauerstoffgehaltes, z. B. durch
Zugabe von Inertgasen, sicher ausschließen.
Neben den beschriebenen, auf Zersetzung beruhenden chemischen
Reaktionen der in der Lackproduktion eingesetzten Nitrocelluloselösungen und
der zum Beispiel bei der Härterproduktion als Einsatzstoff verwendeten
Peroxide, neigen Schüttungen brennbarer Stäube, wie sie beim Umgang mit
organischenPigmenten in der Lackherstellung auftreten, zu einer
Selbsterhitzung.
Die Selbsterhitzung kann dabei schon bei Raumtemperatur
auftreten. Grund für die Temperaturzunahme ist dabei die Eigenschaft der
Staubschüttung, eine wärmeisolierende Schicht aufzubauen. Hierdurch ist eine
ausreichende Wärmeabfuhr nicht mehr möglich.
Die Wärmebilanz der ablaufenden Reaktion wird durch das
nachfolgende Diagramm nach Semenov dargestellt.
Wärmebilanz nach Semenov:

Während die Wärmeproduktion mit steigender Temperatur
exponentiell zunimmt (rote Kurve), stellt die Wärmeabfuhr einen linearen
Prozess dar. In der obigen Darstellung ist der Prozeß mit dem
Wärmeabfuhrverhalten der Geraden G1 stabil, solange sich die Temperatur
zwischen den Schnittpunkten A und B bewegt.
Da in diesem Fall die Wärmeabfuhr stets größer ist als die
Wärmezufuhr, stellt sich selbstständig der stabile Zustand am Schnittpunkt A
als Gleichgewicht ein.
Übersteigt jedoch die Temperatur den oberen
Gleichgewichtspunkt B, reicht das Wärmeabfuhrvermögen nicht mehr aus, es kommt
zu einer Selbsterhitzung.
Die Gradenverläufe G2 und G3 stellen Erhöhungen der
Temperatur des Kühlsystems bei gleichem Wärmeabfuhrverhalten dar, also für die
betrachteten Reaktionsbedingungen höhere Umgebungstemperaturen.
Bei der in Gerade 3 dargestellten Wärmebilanz kommt es grundsätzlich innerhalb
des dargestellten Temperaturniveaus zu einer Selbsterhitzung, die bis zu einer
Selbstentzündung führen kann.
Beim Einsatz brennbarer Pigmente ist daher durch Absaugeinrichtungen die
Ausbreitung entstehender Stäube zu vermeiden.
Das Erreichen von kritischen Temperaturbereichen hängt neben der
Ausgangstemperatur der Schüttung sowie der Schichtdicke wesentlich von der zur
Verfügung stehenden Ablagerungszeit ab. Bei einer regelmäßigen Beseitigung
etwaiger Staubablagerungen insbesondere auf temperierten Oberflächen, wie
beheizten Rohrleitungen oder elektrischen Antrieben, lässt sich ein Anwachsen
der Schichtdicken auf kritische Stärken und die für die Reaktion verfügbare
Zeit wirksam begrenzen.
Eine weitere Quelle zur Erzeugung einer Zündquelle kann der Umgang mit
ungesättigten Ölen und Fetten darstellen.
Bei einer Vergrößerung der Stoffoberfläche, wie durch die Stoffbenetzung von
Putzwolle, neigen diese zur Autooxidation.
In explosionsgefährdeten Räumen ist daher eine Sammlung in dieser Weise
benetzter Putzlappen generell zu vermeiden.
|